
Hinter den dicken Klostermauern
Werbung * Was hat Bockbier mit dem Stuck in der Basilika zu tun? War einer der Mönche schon mal verliebt? Diese und viele weitere Fragen beantwortet das interaktive Klostermuseum der Benediktinerabtei Ottobeuren. In den historischen Räumen kann man mithilfe modernster Technik mit allen Sinnen in die Geschichte eintauchen. Vor allem aber kann man einen Blick hinter die dicken Klostermauern werfen und dessen Bewohner kennenlernen.
Gleich an mehreren Stellen geben die Benediktinermönche nämlich in Videos und auf Bildern einen Einblick in ihr Leben und ihren Alltag und beantworten auch sehr persönliche Fragen – zum Beispiel ob sie schon einmal verliebt waren, ob sie manchmal an ihrer Entscheidung fürs Kloster zweifeln und wie ihre Familien auf diesen Entschluss reagiert haben. Außerdem erfährt man von ihnen, ob es im Kloster Internet gibt, ob sie das Mönchsgewand wirklich den ganzen Tag tragen und wie sie ihre Freizeit verbringen.
Dass es davon freilich nicht allzu viel gibt, wird einem spätestens klar, wenn man sieht, wie viele Aufgaben jeden Tag erledigt werden müssen, eingebettet ins gemeinsame und persönliche Gebet. „Ora et labora“ (also „bete und arbeite“) – dieser Leitsatz der Benediktiner prägt seit über 1260 Jahren den Alltag im Ottobeurer Kloster.
Wer nicht in der Seelsorge tätig ist, packt anderswo an: Im Klostergarten wird zum Beispiel Gemüse angebaut und in der Küche verarbeitet, es wird heute noch Schnaps gebrannt und auch die Bienen wollen versorgt werden. Zudem müssen Arbeiten in der Verwaltung, in der Basilika, im Klosterladen, im Gästehaus oder an der Pforte erledigt werden.
Aber nicht nur der Blick hinter die Klostermauern ist interessant. Das Klostermuseum lädt ein zu einer Zeitreise in die vergangenen Jahrhunderte und so erfährt man hier alles über den Bau der Basilika, über Architektur, Malerei und Stuck, über das Herrschaftsgebiet der Reichsabtei, über soziale Strukturen im Klosterstaat, über wissenschaftliches Arbeiten im Kloster und die Schätze der imposanten barocken Bibliothek.
Dass all diese Themen nicht nur für Erwachsene, sondern bereits für Kinder ab dem Vorschulalter interessant sind, liegt daran, dass sämtliche Informationen unglaublich toll aufbereitet wurden: Es dürfen viele Knöpfe und Schalter gedrückt werden, es gibt kurze Videos, interaktive Buchseiten und Bildschirme, Gebäudemodelle zum Anfassen und mehrere Hörstationen. Wer mag, kann sich zu den Mönchen ins Chorgestühl und an den Mittagstisch setzen, darf einen Dachstuhl bauen oder eine Schreibfeder in die Hand nehmen. Man kann verschiedene Heilkräuter erschnuppern und durch ein Fernrohr den ersten Heißluftballon-Start Deutschlands im Klosterhof miterleben. Gemälde können ebenso wie die Basilika, der Klosterkomplex und andere Exponate über Relief-Nachbildungen ertastet werden.
Viele Texte wurden nicht nur auf Englisch übersetzt, sondern können auch in Pyramiden- und Brailleschrift ertastet oder dank einer Gebärdendolmetscherin angesehen werden. Ein Aufzug sorgt dafür, dass die historischen Räumlichkeiten und die barocke Bibliothek jetzt auch für Menschen mit Gehbehinderung und mit Kinderwagen super erreichbar sind. Dass Inklusion im neuen Klostermuseum großgeschrieben wird, kommt also allen Besucherinnen und Besuchern zugute.
Ein besonderes Highlight ist übrigens der „Raum der Stille“: Darin flackern gut hör- und sichtbar LED-Kerzen. Erst wenn alle ganz still werden und kein Laut mehr zu hören ist, „beruhigen“ sich auch die Lichter. Testet doch mal, wie lange ihr es schafft, hier ganz ruhig zu sein!
GANZ NEBENBEI
Das Museum ist auch interessant, wenn man mit Kirche und Kloster eigentlich nicht viel am Hut hat. Wer sich darauf einlässt, wird positiv überrascht sein.
WO
Ottobeuren
PARKEN
kostenlos direkt vor Ort
PREISE
und Öffnungszeiten findest du unter www.abtei-ottobeuren.de
BARRIEREFREI
ja, auch für Menschen mit Geh-, Seh- und Hörbehinderung super geeignet
TOILETTEN
ja
EINKEHREN
im Klostercafé und in Ottobeuren
MEHR
(Tipp 14)

Übrigens
Wer in der Benediktinerabtei ist, sollte sich natürlich auch die beeindruckende Basilika nicht entgehen lassen. Mit Kindern super: die Tiere suchen, die sich in der ganzen Kirche tummeln.
Im Klostercafé bekommt ihr demnächst sogar ein Rätselblatt, in dem euch Basilika-Papagei "Bene" auf die Suche nach seinen tierischen Kumpels schickt - und leckeren hausgemachten Kuchen noch dazu.






















