
Tulpenbaumallee bei Ferthofen
Wer eine eher kurze, aber trotzdem abwechslungsreiche Tour sucht, hat sie mit dieser hier gefunden – und eine botanische Besonderheit gleich dazu.
Tulpenbäume sind echte Exoten und haben im Unterallgäu deshalb Seltenheitswert. Zwischen Ferthofen und Volkratshofen gibt es aber gleich eine ganze Allee davon. Und die ist nicht nur sehenswert, wenn die Tulpenbäume im Juni und Juli blühen, sondern das ganze Jahr über. Denn immerhin sind einige der Bäume um die 200 Jahre alt. Sie haben teils so mächtige Stämme, dass nicht einmal zwei Kinder zusammen sie umgreifen können, und tief gefurchte Rinden, die man einfach anfassen muss. Im Fall der Blüten ist das keine Option, sie sind viel zu weit oben und auf den ersten Blick und an einem windigen Tag leicht zu übersehen. Anders als der Name „Tulpenbaum“ vermuten lässt, strahlen die Blüten nämlich nicht in leuchtendem Rot, Gelb oder Pink vom Baum, sondern halten sich mit ihrem grün-hellgelb-orangefarbenen, dafür aber aparten Muster im dichten Blattwerk vornehm zurück. Und das passt ja dann gut zu Friedrich Freiherr von Lupin, der sie hier einst in seinem Park gepflanzt hat.
Wir lassen die beeindruckende Allee zunächst aber tatsächlich links liegen und laufen an dem schmalen Sträßchen am Waldrand entlang, bis ein Schild mit der Aufschrift „Obelisk“ rechts in den Wald hineinweist. Ein grob geschotterter Weg führt steil nach oben zu einigen Tipis und dann – zum Grasweg geworden – an einem Getreidefeld entlang direkt auf den mächtigen Obelisken zu. Aufwändig verziert ist er zwar nicht, aber man kann sich gut vorstellen, wie er seinerzeit den Park des Freiherrn geschmückt hat. Die frühere Sichtachse ist noch gut zu erkennen.
GOLDFISCHE UND LIBELLEN
Die Kinder interessiert das freilich eher wenig. Sie stürmen bereits weiter den Weg entlang und biegen scharf links in den Hohlweg ein, der – etwas weniger steil als der Anstieg zuvor – wieder nach unten auf das kleine Sträßchen führt. Immer geradeaus geht es erst am Waldrand und dann an Wiesen vorbei zu einem richtig schönen Brotzeitplatz: In einem Teich schwimmen Goldfische, darüber tanzen die Libellen, es gibt eine Tretanlage und auch ein Brotzeitbänkle samt Tisch. Hier lässt sich‘s aushalten.
Nach der Pause biegt man vor Volkratshofen links zwischen Feldern und Wiesen in einen Feldweg ein und dann – die Tulpenbaumallee ist bereits in Sichtweite – noch einmal links ab. Erstes Highlight ist hier das Denkmal für den Freiherrn, das etwas versteckt und damit per se geheimnisvoll zwischen den Bäumen liegt – und das zweite natürlich die Allee selbst. Spätestens hier wird klar, dass sich die Längenangabe der Tour mit drei Kilometern an erwachsenen Wanderern orientiert. Denn die meisten Kinder dürften im Slalom um die Bäume flitzend ein paar Meter mehr zusammenbekommen.
BLICK AUFS KRAFTWERK
Wer sich jetzt erst so richtig warmgelaufen hat, muss nicht gleich wieder ins Auto steigen, sondern kann die Tour einfach noch ein bisschen verlängern. Dazu läuft man vom Parkplatz aus nach Ferthofen hinein und nimmt vor der Brücke die Treppe hinunter zur Iller. Vom Weg aus hat man einen tollen Ausblick auf das große Kraftwerk – und auf die Enten und Schwäne, die direkt dahinter ganz entspannt im Wasser paddeln. Am Ufer führt ein schmaler Weg entlang, an dem es weitere botanische Schönheiten zu entdecken gibt. Im Juni und Juli blühen nämlich nicht nur die Tulpenbäume, sondern auch Sumpfschwertlilien, Türkenbundlilie und Blasenesche. Brotzeitbänke gibt es hier auch. Zurück geht es dann, sobald die Wanderlust gestillt ist, auf dem gleichen Weg.
Mit Kinderwagen kann der Anstieg und der Grasweg zum Obelisken anstrengend werden, der Rest des Weges ist dann aber gut befahrbar. In der Allee wird es wegen der Wurzeln dann nochmal ein bisschen holprig.
WO
Ferthofen
PARKEN
am Wanderparkplatz in Ferthofen
LÄNGE
3 Kilometer (nach Belieben erweiterbar) über ein asphaltiertes Sträßchen, Kies-, Wald- und Wiesenwege
DAUER
1,5 Stunden
KINDERWAGEN
jein
EINKEHREN
im Illerhof oder 24/7 an der dortigen Genusshütte
MEHR
(Tour 27)

Übrigens
Bei den Blüten der Tulpenbäume handelt es sich keineswegs um Tulpen und aus den Niederlanden kommen die Schönheiten auch nicht. Stattdessen stammen die Magnoliengewächse aus Nordamerika und gelten – obwohl sie Fröste bis -20°C aushalten – in unseren Breiten als sehr empfindlich. Umso erstaunlicher ist es, dass Friedrich Freiherr von Lupin zwischen 1828 und 1832 in seinem weitläufigen Landschaftspark die Tulpenbaumallee anlegte und dabei wohl sogar selbst mithalf. Jedenfalls vermerkte er am 29. März 1831 in seinem Tagebuch: „Vormittags zehn Tulpenbäume in die Allee nachgesetzt. Sehr, sehr müde.“ Nicht alle Bäume haben fast 200 Jahre überlebt. Zwischen 1980 und 1983 wurden 30 neue gepflanzt.












